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Wer prägt die Ski WM St. Moritz 2017?

Die Goldjägerin, das Wunderkind, die Altmeisterin, das Phänomen - hier erfährst du, welche Figuren die kommenden Ski Weltmeisterschaften prägen werden. Wer hat das Zeug zum Champion, wer ist in Form, und wer lässt die Konkurrenz stehen?

Die Goldjägerin: Gewinnt Lara Gut ihr erstes Gold?
Das Wunderkind: Holt sich Mikaela Shiffrin das 3. Mal in folge WM-Gold im Slalom?
Die Altmeisterin: Lindsey Vonn prägt seit 10 Jahren den Skizirkus.
Das Phänomen: Beat Feuz ist das Knie der Nation.
Der Wunderknabe: Marcel Hirscher ist seit fünf Jahren das Mass aller Dinge.
Der Dauerelch: Die Norweger (im Bild Kilde) werden wohl nicht ohne Medaille heimreisen.

Die Goldjägerin
Seit 2005 ist Lara Gut für alle WM-Medaillen zuständig, die das Schweizer Frauenteam gewinnen konnte. Dreimal Silber in Abfahrt, Kombination (beides 2009) und Super-G (2013) sowie einmal Bronze (Abfahrt 2015) - das ist eine prima Bilanz. Oder? Frag mal Lara Gut selbst. Die ehrgeizige Tessinerin ist immer auf der Suche nach dem Limit. Das heisst: Nur das Beste ist genug. Also Gold. So wird sie auch bei der Heim-WM so zu Werke gehen, wie es viele lieben: immer mit der riskantesten Linie, immer ganz nahe am Tor, immer auf der Jagd nach jedem Hundertstel. Ob Lara Gut endlich einmal mit Gold belohnt wird? Sie hat vier sehr realistische Chancen, die allerbeste gleich zum Auftakt am 7. Februar im Super-G. Die ersten drei Rennen in diesem Winter hat sie gewonnen, im vierten lag sie bei der letzten Zwischenzeit fast acht Zehntel vor allen anderen - ehe sie ein Tor zu riskant attackierte… Sie wird ihren Stil nicht ändern, erst recht nicht an dem Berg, den sie als ihre Heimat bezeichnet.

Das Wunderkind: Mikaela Shiffrin
Mikaela Shiffrin wird im März erst 22 Jahre alt. Das vergisst man gerne, wenn man ihre Bilanz liest: 27 Weltcupsiege, zwei WM-Titel, einmal Olympia-Gold. Nur so zum Vergleich: Ihre Landsfrau Lindsey Vonn hatte zum gleichen Zeitpunkt der Karriere 4 Weltcupsiege und weder WM-Titel noch Olympia-Gold. Geleitet von ihrer ehrgeizigen Mutter und gesegnet mit einem unglaublichen Talent, droht Shiffrin all die Rekorde geradezu zu pulverisieren. Und nachdem Shiffrin im Slalom alles in Grund und Boden fährt, im Riesenslalom aktuell die Nummer 2 ist, verpasste sie in Cortina das Podest auch im Super-G nur um drei Hundertstel. Besser kann man die Konkurrenz just zur WM nicht nervös machen. In den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts konnte Christl Cranz drei WM-Titel nacheinander feiern, im Slalom, das ist sonst nie mehr einer Fahrerin in irgendeiner Disziplin gelungen. Shiffrin kann es Cranz gleich tun, und wieder im Slalom. Und das gegen eine ganz andere Dichte an der Weltspitze.

Die Altmeisterin: Lindsey Vonn
Seit mehr als 10 Jahren prägt Lindsey Vonn den alpinen Skirennsport - wobei “prägen” ein sehr dezentes Wort für ihr Wirken ist. Sie hat das Frauen-Skifahren auf ein neues Niveau gehoben, auf der Piste und in Sachen Vermarktung. Ob sie mit Männerski unterwegs war, ob sie mit der Beziehung zu Golfstar Tiger Woods für Furore sorgte, Vonn setzt Massstäbe. Und wenn unter all dem Glamour und der Posen das gewaltige Gespür der Skifahrerin manchmal fast verschwand, Lindsey Vonn ist eine der aussergewöhnlichsten Athletinnen, die dieser Sport je sah. Dass sie lange von schweren Verletzungen verschont geblieben war, büsste sie mittlerweile mit einer ganzen Reihe an heftigen Unfällen, die sie immer wieder für lange Zeit aus dem Skizirkus rissen. Dass Vonn bei ihrer jahrelangen Dominanz “nur” zwei WM-Titel gewinnen konnte, ist eigentlich ein Hohn. Und gerade das macht sie so gefährlich für die Konkurrenz, jederzeit, auf jeder Strecke, gerade bei der WM in St. Moritz.

Das Phänomen: Beat Feuz
Nachdem Beat Feuz auf der Streif mit klar bester Zwischenzeit im Netz gelandet war, kam er leicht humpelnd zum Interview. Auf die bange Frage des Moderators, ob dies die Folge des Sturzes sei, sagte Feuz: “Nein, nein… So bewege ich mich eigentlich immer.” Wenn ein Knie so richtig kaputt war, dann das des Emmentalers, dem im Sommer 2012 kurzfristig gar die Amputation drohte. Seither reduziert er das Training auf ein Minimum, und trotzdem kam er vergangenes Jahr zur WM-Generalprobe auf die Corviglia und gewann beim Weltcup Final eben mal so Abfahrt und Super-G. Macht das Feuz nun zum schlechten Vorbild aller trainingsfaulen Jugendlichen? Nur dann, wenn sie über genau so viel Fahrgefühl verfügen wie Feuz. Und wer tut das schon? Also einfach geniessen, wie perfekt er alle Radien fahren kann, wie kompakt er bei Sprüngen bleibt, wie unaufgeregt er in heiklen Szenen reagiert. Feuz ist ein Phänomen, und die Heim-WM ist für ihn die ideale Bühne.

Der Wunderknabe: Marcel Hirscher
Passiert nichts Aussergewöhnliches, gewinnt Marcel Hirscher den Gesamtweltcup am Ende der Saison zum sechsten Mal in Folge. Wer hätte so etwas im Männerskisport mit seiner unglaublichen Dichte an der Spitze für möglich gehalten? Aber wer konnte auch ahnen, dass da einer kommt, der Rennen für Rennen zeigt, welch aussergewöhnlicher Fahrer, Athlet und Charakter er ist? Einer von Hirschers liebsten Sprüchen: “Ich bin kein Wunderwuzzi.” Was natürlich Unfug ist, denn genau das ist der Salzburger. Ein Wunderknabe, der Tempo machen kann, wo andere bloss durchkommen; der carvt, wo andere in allerhöchster Not driften, der es mit seinem Vater - dem grandiosen Tüftler Ferdinand - schafft, zwischen zwei Läufen das Setup derart zu verändern, dass er schon allein damit den anderen Topfahrern eine Sekunde abnimmt. Dass Hirscher im Slalom (Kristoffersen) und Riesenslalom (Pinturault) überragende Gegner hat, spornt ihn nur noch mehr an. So sind Champions gemacht.

Der Dauerelch: Die Norweger
Ok, ist vielleicht nicht ganz korrekt, aber der letzte Kandidat, der die WM prägen wird, ist kein Einzelkämpfer. Sondern ein Land, das seit den 90er-Jahren erstaunlich konstant im Skisport an der Spitze mitfährt. Norwegen belegt im ewigen WM-Medaillenspiegel der Männer Rang 4 - vor den USA, Italien und Deutschland. Auf die goldene Generation mit Aamodt, Kjus, Skaardal folgten Svindal und Jansrud, sie werden ihrerseits mittlerweile von Kristoffersen und Kilde (im Bild) bedrängt. Svindal, ein Teamleader, wie man ihn sich nur wünschen kann, fehlt in St. Moritz verletzt, doch ohne Medaille werden die “Elche” auch diesmal nicht heimreisen. Letztmals passierte ihnen das 1989. Die Norweger profitierten stets von ganz starken Charakteren, die es doch immer wieder schaffen, sich gegenseitig zu helfen, nach oben zu bringen und dort zu Topleistungen anzustacheln. Und wenn jetzt doch jemand meint, ein ganzes Land gilt nicht in dieser Auflistung, dann geben wir dem Ganzen eben einen Namen: Kjetil Aamodt Kildefferson.

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