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Schlechtes Wetter? War da was?

Vernebelte Sichtverhältnisse, starker Wind oder einfach nur Kaiserwetter - und manchmal sogar „anhaltender Medaillenregen“: Das Wetter war bei der Ski-WM St. Moritz 2017 neben dem sportlichen Geschehen das Thema Nummer eins. Und manchmal auch das einzige Thema, denn zwei Tage gab es bis auf wetterbedingte Absagen nichts zu berichten. Und spätestens jetzt weiß jeder Skifan, wo die Maloja-Schlange zubeisst.

Bange Minen. Angespanntes Warten. Gleich wird Wetterexperte Felix Blumer von SRF Meteo beim Team Captains’ Meeting, bei dem wichtige Informationen für den nächsten Renntag besprochen werden, die Prognose für den nächsten Tag vorstellen. So oder so ähnlich können Sie sich die ersten Abende an der Ski-WM vorstellen. 

Es ging schon gut los. Die zwei Abfahrtstrainings, mit denen die erste WM-Woche starten sollte, fielen zwar nicht dem frischen Schnee (nochmal ein dickes Lob an die Pisten-Crews!), aber dem starken Wind zum Opfer. Aus Sicherheitsgründen liess der Rennleiter keinen Athleten den Berg hinunter. Nur für eine Besichtigung hatte es gereicht. Und heimlich rieben sich die Schweizer  die Hände – sie hatten schliesslich auf ihrem Hausberg trainieren dürfen und sahen sich bei Trainingsausfall im Vorteil.

Der erste eigentliche Renntag verlief dann zumindest von den Rennen her planmässig (ausser, dass es nicht gleich die erste Goldmedaille für die Schweiz gab, aber immerhin gewann Lara Gut Bronze). Allerdings wurde das Abfahrtstraining der Männer in den Vormittag verlegt – einfach nur um sicher zu sein, denn für den Nachmittag war wieder Wetter-Ärger angekündigt. Das gleiche Spiel am nächsten Tag: Erst das vorverlegte Damen-Training, dann der Super-G der Männer. Ganz ohne Schweizer Edelmetall.

Welcome to the jungle

Am Donnerstag, dem zweiten Trainingstag, biss dann die Maloja-Schlange zu - das Phänomen, das bislang nur Oberengadin-Kenner beschreiben konnten. Jetzt weiss jeder Ski-Fan und jeder Journalist – sogar die Reporter aus dem Ausland – was mit „Maloja Snake“ gemeint ist: die Nebelschwaden, die sich durchs Tal ziehen und sich allgemein häuslich einrichten, wenn sie schon einmal da sind. Gut für Landschaftsfotografen, schlecht für Abfahrtstrainings.

Dann gestand das Wetter der Ski-WM eine kurze Verschnaufpause zu. Die Super-Kombination der Damen verlief wettermässig ganz nach Plan und für die Gastgeber sogar besser als erwartet – mit zwei Medaillen. Allerdings mit einem Wermutstropfen: dem WM-Aus von Lara Gut. Und mit einem grossen Fragezeichen in wettertechnischer Hinsicht, denn die Vorhersage für den Samstag sorgte bei den Veranstaltern für eine schlaflose Nacht.

Super-Wetter-GAU und Super Speed Sunday

Die Prognose stellte sich unglücklicherweise als treffend heraus. Das Zielgelände in Salastrains sowie die Berninagruppe lagen im strahlenden Sonnenschein, aber auf der Strecke der Herren-Abfahrt hielt sich der Nebel hartnäckig. Der Start wurde mehrfach verschoben und am Ende musste das Rennen abgesagt und auf den Sonntag verschoben werden. Die Athleten nahmen es gelassen, die Zuschauer auch. Denn sie durften am Sonntag dann nochmal ins Zielgelände und sich die Abfahrt der Herren und der Damen anschauen. Wer kann da sauer sein?

Der Sonntag brachte dann tatsächlich das erhoffte Wetter und damit auch das erhoffte Abfahrtsspektakel auf der Corviglia. Das Damen-Rennen läutete den Super Speed Sunday ein. Das Wetter pfuschte dann doch noch kurz dazwischen, denn wegen vernebelter Sichtverhältnisse wurde das Herren-Rennen nicht vom freien Fall gestartet, sondern vom Kombi-Start etwas tiefer. Allerdings versetzte Beat Feuz mit einer Wahnsinns-Fahrt und der Goldmedaille die 30'000 Zuschauer auf Salastrains und die gesamte Schweiz in  Freudentaumel. Ein Tag für die Geschichtsbücher.

Champagner-Klima und Kaiserwetter

In der zweiten Woche legte sich das Wetter dann richtig ins Zeug - und machte alles wieder gut. Die wechselnden Bedingungen beim ersten Lauf des Herren-Riesenslaloms waren nur noch eine kleine Fussnote. Beim Team Captains’ Meeting spielte das Wetter kaum noch ein Rolle, jetzt ging es eher vergnügt zu. Stimmungsvoll war vor allem der Moment, wenn jede einzelne teilnehmende Nation aufgerufen wurde und ihre Anwesenheit per Zuruf bestätigen musste. Bei insgesamt 76 Nationen (!) konnte das schonmal etwas länger dauern.

Das Wetter sorgte nur noch für positive Schlagzeilen. Das Champagner-Klima beflügelte Luca Aerni, der überraschend zum Titel in der Herren-Kombi stürmte. Kaiserwetter gab es für König Marcel, Reine Tessa und Queen Mikaela. Mikaela Shiffrin verteidigte ihren Titel im Slalom, Tessa Worley krönte ihre Form mit Gold im  Riesenslalom und Marcel Hirscher gewann nicht nur sein zweites Slalom-Gold, sondern auch seinen ersten Titel im Riesenslalom – strahlende Athleten und strahlende Zuschauer unter der strahlenden St. Moritzer Sonne.

Schlechtes Wetter? Wo? Wann? War das was?

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